Komme Auf Die

Dunkle Seite Der Macht!

Gegen die Infamitäten des Lebens sind die besten Waffen: Tapferkeit, Eigensinn und Geduld.

Die Tapferkeit stärkt, der Eigensinn macht Spaß und die Geduld gibt Ruhe. Hermann Hesse (1877 - 1962)

This Is VaderBase

Rasender Falke - Die Wahrheit Teil 4 von 7

Subtile Andeutungen

Eine weniger bekannte Szenennachstellung ist so frappierend, dass, wenn man einmal die passende Referenz erkannt hat, diese Szene nie mehr wie früher wahrnimmt. Diese Szene ist die zweitstärkste Verbeugung vor 2001. Auf die Stärkste komme ich später noch zu sprechen. Es handelt sich um das Einfrieren von Han Solo in Episode V. Zunächst einmal ist die Szene kaum erkennbar mit 2001 verbunden: keine EVA-Pods, kein Raumschiff-Hangar, keine Raumschiffe.
Wir gehen wie bei Kubrick und allen anderen fähigen Filmschaffenden davon aus, dass nichts zufällig ist im Film: Szenenbild, Perspektive, Musik, Kameraschwenks, Farbgebung, Schnitt, Tempo, Ausstattung und sogar die Körnung: alles hat eine Bedeutung und unterstreicht die Wirkung.
Ein paar Beispiele gefällig? Guns’n Roses. Schmetterlinge (Verwandlungswunder durch Verpuppung) im Hintergrund. American Werewolf. Die 180 Grad Drehung in dieser Pulp Fiction Szene, die Butchs Wahrnehmung von Vincent visualisiert.
Das hektische Ausfahren von Lukes Lichtschwert, mit dem er mit einigen Film-Schnitten beschleunigt mit beiden Händen nervös aggressiv in Richtung Vaders fuchtelt im Gegensatz zum langsamen Ausfahren von Vaders Lichtschwert, der es dann souverän und betont bedächtig nur mit einer Hand haltend fast süffisant in Lukes Richtung weist. Diese Haltung gibt Vader ja später auf, als er dann auch mit beiden Händen im Stakkato auf Luke eindrischt mit bekanntem Ergebnis.


Die synästhetische Optimierung von Blechblasinstrumenten und der Farbe Blau in "Apolcaypse Now" (reimt sich).
Die beiden Gesellschafts-Brettspiele in dieser Szene (Pulp Fiction schon wieder, ja, ich liebe diesen Film)...
Auch das Bon Appétit Magazin (Ausgabe Januar 1990) war unübersehbar absichtsvoll in der Käfigszene von "Das Schweigen der Lämmer" platziert.



Die Hubschrauberlandeszene in Jurassic Park (1993) zeigt tatsächlich eine perfekte Vorausschau auf das, was in dem Film die Handlung auf die Spitze treibt: die Gurtschnallen bestehen gewöhnlicherweise aus zwei verschiedenen, gegensätzlichen Stücken. Dr. Grants Gurt jedoch hat zwei (weibliche) Gurtschnallen, die nicht funktionieren. Er findet jedoch einen Weg, diese so zu nutzen, dass der Zweck dennoch erreicht wird. Im Park sind ausschließlich weibliche Dinosaurier vorhanden, um eine unkontrollierte Vermehrung/ Mutation zu verhindern. Dr. Malcom, der Physiker und Chaostheoretiker, mahnt an, dass "das Leben einen Weg findet" und genauso kommt es: die den Sauriern zusätzlich implementierte Frosch-DNA hat die Fähigkeit, das Geschlecht zu wechseln und so haben bald die Dinos Nachwuchs und die Action nimmt an Fahrt auf...
Apropos Jurassic Park: die Kombination von praktischen Effekten und digitalen Effekten wurde hier so aufwendig und perfekt vorgenommen, wie es bis heute unerreicht ist. Es wurde ein lebensgroßer Tyrannosaurus Rex (über sechs Meter hoch und 12 m lang) gebaut: Metallskelett, Hydraulikpumpen und Elektromotoren umgeben von einer Latexhülle. Um die Latexhaut zu erstellen war es notwendig, zunächst eine riesige Skulptur aus Ton zu erstellen. Von dieser wurde dann eine Gipskopie angefertigt, von der dann mit Glasfasermatten eine Hohlform als Abdruck genommen wurde. In diese Hohlform kam dann erst die Latexflüssigkeit, die anschließend nach der Aushärtung aufwendig bemalt und auf der Metallskelettmaschine installiert wurde. Leider schrumpfte die Latexhaut und so mussten ganze Sektionen nachträglich erstellt und eingefügt werden. Auch waren Details wie die Mundwinkel, deren Haut sich nicht nach außen stülpen sollte beim Schließen des Mauls, herausfordernd in der praktischen Umsetzung.
Der Monsterapparat wog über fünf Tonnen und schwenkte seinen mächtigen Kopf mit maximal etwa 3 m pro Sekunde. Um die Wucht der bewegten Massen im Griff zu behalten, mussten zusätzlich Beschleunigungssensoren eingebaut werden, da sonst bei zu schnellen Bewegungen die Strukturen zerstört werden konnten. Ganze Bewegungsabläufe konnten programmiert und abgerufen werden, um z.B. das Klohäuschen zu durchbrechen ohne den Schauspieler (zu sehr) zu gefährden. Bei Fehlfunktionen der extrem kraftvollen Apparatur drohte dennoch allen Umstehenden stets Lebensgefahr; das ist auch der Grund, warum dieses kompromisslose Gerät später schnell demontiert wurde nach Beendigung der Aufnahmen.
Der für die Szene notwendige Regen bei den Dreharbeiten erhöhte unerwartet das Gewicht der Latexhülle und die überforderte Steuerungsmechanik versagte. In den Drehpausen musste der Dino getrocknet werden mit Handtüchern, Heißluftgebläsen und viel Geduld.



Die CGI-Dinoversion war zwar sehr gut im PC modelliert und mit perfekten Texturen versehen aber die programmierten, mitunter automatisch geglätteten Bewegungen überzeugten nicht. Daher baute man eine Stopmotion-Puppen (Dinosaur Input Device, eigentlich Digital Input Device, kurz D.I.D.) mit 74 optischen Relativdrehwinkelgebern, die alle traditionellen Stopmotion-Bewegungen in Computerwerte übersetzten. Somit konnten die routinierten Animatoren (vor allem Phil Tippett) ihre unschätzbaren analogen Erfahrungen in die neue Digitalwelt einbringen. So ist es bei 24 Bildern pro Sekunde eben notwendig, manche Bewegungen schnell und abrupt auszuführen statt geglättet, um echt wirkende Abläufe zu erzeugen. Auch in Starship Troopers (die beste, unterhaltsamste aber leider damals auch verkannteste Satire auf Faschismus) wurden diese Digital Input Devices genutzt.

Die Asymmetrie des Vader-Helms (damit er organischer und weniger roboterhaft wirkt). Der Goldene Schnitt des Todesstern-Wandmusters (auch ein Aspekt, der später noch aufgegriffen wird).
Apropos Todesstern: Die erste, finale Version des Todessterns war ja ein Bild auf Glas gemalt (Matte-Painting), aber da es sehr statisch wirkte, wurde diese Lösung verworfen. Und das, obwohl bereits eine Computeranimation von Larry Cuba mit einem PDP-11/45 nach diesem Plan erstellt wurde, die zeigte, wie die Laserschüssel mittig auf dem Äquator saß und der Angriff auf den Kern auf der oberen Hemisphäre vorgenommen werden sollte.

Trench Run

Viele Fans, mich eingeschlossen, glauben bis heute, die Ventilationsöffnung und die Angriffsflüge hätten in dem äquatorialen Graben stattgefunden, obwohl schon beim Anblick des Falken, der per Traktorstrahl in den Hangar gezogen wird, klar sein müsste, dass das nicht der Angriffsgraben sein kann. Der Angriffsgraben ist so schmal, dass drei kleine Einmannkampfraumschiffe nebeneinanderpassen, mehr nicht. Diese kollektive Fehlwahrnehmung ist sicher dem herausragenden Schnitt ("How Star Wars was saved in the edit") von Paul Hirsch, Marcia Lucas und Richard Chew geschuldet, der viele Szenen doppelt, gespiegelt, chronologisch abweichend und als Schleife nutzte.

vier Einstellungen zeigen den vermeintlichen Anflug auf den Äquator

 

 

hier der Falke, der den gewaltig breiten Äquator, der hunderten Raumschiffen Platz bietet, passiert. (zwei Entwurfsversionen des Falken sind hier auch zu sehen: einmal der Falke mit mittigem Cockpit und einmal mit dem Cockpit an der Seite. Beide Entwürfe sind noch ohne die mittigen Einkerbungen im runden Raumschiffkörper)

 

 

der tatsächliche Angriffsgraben ist so schmal, dass gerade einmal drei kleine Raumschiffe nebeneinander passen.


Der Bullmark Mechagodzilla Cyborg aus dem Jahr 1974 mit Raketenschussfunktion war ein spaßiges Maskottchen, das auf der Dykstraflex und auf dem Set des Todessterngrabens zum Einsatz kam während der Produktion von 'Star Wars A New Hope' (aber auch später bei andereren Produktionen).



Papercraft

(Um die Oberfläche vom Todesstern aus großer Höhe zu zeigen, hat man statt alles als gigantisches Modell zu bauen einfach Fotos der sechs Grundmodule angefertigt und diese aneinandergelegt gefilmt. Das ähnliche Prinzip findet sich beim wenige Zentimeter kleinen Sternzerstörermodell, das bei der Rettungskapselszene zu sehen ist: hier ist auf der Unterseite sogar die Tantive IV erkennbar mittels des Fotos, das man auf die Unterseite geklebt hat. Ein ähnlicher Effekt ist ja auch bei Modellen zu erkennen, die aus bedruckten Papierbögen (Papercraft) gefertigt sind: die Oberflächendetails gerade bei Modellen im großen Maßstab sind hier unerreicht. Nachtrag: wo ist eigentlich das Bullaugenfenster, durch das die Roboter den Sternzerstörer ansehen im Taumelflug? Mitten zwischen den Antriebsdüsen?)

 


hier ein erstaunliches Modell aus Papier (Druckerpapier, einfach selbst ausgedruckt), das ich selbst gefertigt und animiert habe.

 

Der Angriffsgraben ist auf der oberen Hemisphäre in Nord-Südrichtung gelegen, weit entfernt vom Äquator.

 

 

"Only Imperial stormtroopers are so precise."

Die ursprüngliche Version von Star Wars war grauenvoll. Selbst Kollegen wandten sich mit Grausen ab nach der ersten vorab-Probevorführung unter Filmschaffenden wie Steven Spielberg und Brian Da Palma. Marcia Lucas jedoch erschuf ganz neue Handlungen, mehr Dramatik, Rhythmus und stimmige Stringenz mit dem vorhandenen Material und bekam dafür einen Oscar. Paul Hirsch auch. Tolles Buch (A long time ago in a cutting room far, far away…). Aber es glauben ja auch nach wie vor viele Fans, dass Stormtrooper nicht treffen könnten, obwohl im Film deutlich gesagt wird, dass dieses Danebenzielen essentieller Teil des Plans ist, die Prinzessin samt Entourage entkommen zu lassen und zuvor die Stormtrooper alle Sandleute ja auf Tatooine und die verschanzten Rebellen in der Tantive IV präzise niedergemäht haben. Leia hat diesen Plan übrigens durchschaut und in einer deutlichen Expositions-Szene bei 1h:36m:47s dargelegt: „Die wollten uns doch entkommen lassen. Oder haben Sie ein bessere Erklärung für die Leichtigkeit unserer Flucht?“. Starke Frau. In allen drei Teilen. So wie Ellen Ripley (zusammen mit Jenette Vasquez, Colette Ferro, Cynthia Dietrich und Rebecca "Newt" Jorden), Clarice Starling, Sarah Connor, Trinity, The Bride, Katherine G. Johnson, Leeloo, Erin Bronkovich, Thelma and Louise, Zoe: Bell, Aileen Wuornos, Dr. Ryan Stone, Marge Gunderson, Furiosa, Rita Vrataski, Lt. Jordan O'Neill, Big Nurse Mildred Ratched).


10 reasons Jim Cameron's ALIENS is the best feminism movie ever made



Leia hat den Männern den rettenden Ausweg gewiesen in Episode IV, die Piloten instruiert in Episode V, als kaltblütiger Kopfgeldjäger Han befreit in Episode VI, auf Stormtrooper geschossen in der Tantive IV, Vader die Stirn geboten nach der Entführung des Rebellenraumschiffs, Tarkin verhöhnt auf dem Todesstern, Jabba (und alle Anwesenden Gauner gleich mit) bedroht mit einer heiligen Handgranate, den riesigen Lustmolch und Fettwanst eigenhändig mit der sie eigentlich kleinhaltenden Kette erwürgt, mit einer riesigen Bordkanone das Wüstensegelschiff zerstört, mit einem Schwebemotorrad die Soldaten verfolgt (der Held Luke darf sich an ihr festhalten und hinten sitzen), das Motorrad dann sogar ganz allein gesteuert, nachdem Luke heruntergefallen ist, den Soldaten mit einem Ast verprügelt, Lando fast erwürgen lassen vom von ihr von der Kette gelassenen Riesenpilotenaffen und schließlich auf Soldaten recht häufig mit Laserwaffen geschossen und getroffen selbst mit geschlossenen Augen.

diese Szene aus Alien (1979) beeindruckt mich sehr und beinhaltet konzentriert so vieles, was die Faszination des Films für mich ausmacht. Das Design der ineinandergreifenden, doppelschichtigen Türelemente, die Verschmutzungen, die sich ruckartig bewegenden Bolzen zur Öffnung der Schleusentür, die verlöschende Beleuchtung kurz vor der Öffnung (Ruhe und Kontemplation werden angedeutet), die roten Warnlichter im Wandelement, die Lampen an den Raumanzügen, die herunterhängenden, baumelnden Sicherungsfähnchen (die das Licht von außen reflektieren und rot erscheinen), die durch die Sitze erzwungene, demütige, zusammengekauerte Haltung der Astronauten mit auf den Boden gesenktem Blick, das technisch wirkende Symbol auf der Tür, die vielen Vertiefungen in der Türoberfläche, die organischen, abgerundeten Formen von Tür, Öffnung und Wandelementen, der sichtbar beleuchtete Atem, der mit hohem Druck aus den Helmen entweicht, der Umstand, dass die Astronauten nur gebückt aus der zu kleinen Tür treten können (Anspielung auf die Geburt). Draußen dann plötzlich Wind, Nebel, Schee, Dunkelheit und hektische, kalte Lichter (eines dreht sich, ein anderes im Hintergrund blendet auf und ab) und Hindernisse wie Hürden, Stangen und Säulen.




die originale Prozac-Urne von Carrie Fisher. Meine Sammlung von Devotionalien nimmt mitunter groteske Züge an, for sure.


Zurück zum Todesstern: Es wurde also ein bewegliches Modell gebaut, das man auch ein wenig rotieren und von innen beleuchten konnte. Wer sich jetzt fragt, wie das Design des neuen Todessterns zustandekam hinsichtlich der Proportionen und Positionen, braucht nur wieder auf 2001 zu schauen. Discovery, Goldener Schnitt zur Kontrolle, fertig.
Die Größe der Laserschüssel ist identisch, die Goldene Spirale bestimmt die Position. Sogar die Brücke samt Fenster wurde übernommen. „Irgendjemand“ muss die Discovery-Kapsel (die ja sogar in der ILM-Werkstatt in Van Nuys an der Wand hing) als Vorlage genutzt haben. Irgendjemand… Nebenbei: die Krümmung der Laserschüssel nach innen ergibt sich ganz leicht, indem man den Kugelausschnitt einfach nach innen dreht und einsetzt. Und nein, man hat die Laserschüssel nur aus ästhetischen Gründen versetzt. Die angeblich schlecht aufeinanderpassenden Halbkugeln waren nicht der Grund. Würde ja auch keinen Unterschied machen, wo die Schüssel sitzt, wenn die Passgenauigkeit ein Problem gewesen wäre.


Hier ein kurzer Clip, in dem ich unsere Ikealampe in einen Todesstern umgewidmet habe.

Aber wenn ich mir diese Entwicklung nochmals genauer ansehe, kann ich ein vertrautes Muster erkennen, auf das ich zum Schluss nochmals zu sprechen komme. Erst gab es ein paar Skizzen, dann das nicht passend aussehende und nicht ausgereifte Modell von Colin Cantwell (seine Version sieht aus wie eine pubertierende Discokugel und er hält sich verdächtig zurück, wenn er nach dem Designursprung gefragt wird) und schließlich war plötzlich das finale Design da, das offenbar sich stark an einer Gestaltung aus 2001 orientierte: die Größe der Laserschüssel, die exakte Position der Laserschüssel, die Proportionen, die Äquatorlinie, die Oberflächenstrukturen und die Breitengradlinien sehen plötzlich 1:1 wie die Discovery aus und haben kaum noch Ähnlichkeit mit dem Entwurf von Cantwell. Die Geschichte, die Cantwell hier anführte, ist zudem überhaupt nicht plausibel: wenn es stimmen sollte, dass erst die Schwierigkeiten beim Modellbau (also die nicht passenden Hälften der Plexiglaskugeln) dafür sorgten, dass der Äquator und damit auch die Torpedo-/ Lüftungsschachtsequenz entstanden, wieso hatte dann bereits das Matte-Gemälde von Ralph McQuarrie den Äquator? Zudem ist es ja falsch, dass wie im Bericht angedeutet die Flüge zum Lüftungsschachttreffer im Äquator stattfanden. Der Graben verläuft nicht am Äquator, sondern von Nord nach Süd auf der oberen Hemisphäre. Denkbar wäre aber auch, dass die kleine, pickelige Kugel von Cantwell tatsächlich Probleme mit der Passgenauigkeit hatte und die grundsätzliche Idee des Grabenflugs so entstand und leider etwas durcheinandergebracht in dem Artikel geschildet wurde. So wurde später vermutlich dann der Grabenflug vom Äquator, der bereits für die Traktorstrahlszenen benutzt wurde, verlegt auf die Nordhalbkugel. Die japanische Ballonbombe sieht zufällig auch wie ein Todesstern aus.





Als weiteres Beispiel absichts- und bedeutungsvoller Details in Filmen: Hier die Symmetrie beider Begegnungen mit dem Monolithen (erst die Affen, später die Menschen: in einer Collage zusammengeführt):

Apropos Monolith: Diese Sinnhaftigkeit und Absicht in jedem Detail vorausgesetzt schauen wir jetzt mal auf den eingefrorenen Han Solo.

Wie könnte eigentlich eine eingefrorene Person grundsätzlich visualisiert werden?


Ein technisch kühl (badum-tiss) anmutender Kryogentank. Ist aber ungünstig, weil man nichts sehen kann vom Inhalt.
Ein Blick auf das Gesicht und den Menschen sollte schon drin sein, um ein wenig Information und Emotion ins Spiel zu bringen.

Oder einfach ein transparenter Eisblock (ganz klassische Darstellung, Dark Star, Valérian-Comic. Und nein, der Valérian Comic ist wirklich nicht die Vorlage für den Falken).
Oder eine zylindrische Form, wie sie Luke nutzte im medizinischen Tauchbad. Dass Luke hier hilflos im extra blau statt rot beleuchteten Wasser optisch verkürzt mit einer weißen Windel wie ein Baby wirkt, ist natürlich Absicht.



Einfach erstarrt zu einer metallisch harten Figur ohne jeden Block drumherum wäre auch eine akzeptable Option.

Aber statt all dieser Möglichkeiten hat sich George Lucas entschieden, einen schwarzen (Karbonit-) Block zu wählen mit ein wenig blinkender Volvo-Technik an den Seitenwänden.




Damit man den Schrecken besser sehen und empfinden kann, ist an der Vorderseite das erstarrte und schmerzverzerrte Antlitz Han Solos zu sehen. (Han Solo bekam noch schnell seine Handfesseln von den kleinen Technikerschweinchen entfernt, damit die er die Hände verzweifelt abwehrend nach vorne bringen konnte für mehr Drama, Baby.) Der Karbonitblock stammt aus einer zylindrischen Gefrierkammer: beide Formen passen so gar nicht zueinander, aber ok, es könnte sein, dass hier eine für Lebewesen angefertigte Spezialgefrierapparatur zum Einsatz kam, denn normalerweise wird ja nur Kohlenstoff eingefroren. Carbon Capture and Storage 1980. Nice. Wenn wir das damals bloß alles schon hätten wissen können…


Carl Sagan beschreibt die Auswirkungen der menschengemachten Klimaerhitzung 1985

Syukuro (Suki) Manabe und Richard T. Wetherald haben 1967 die Stratosphärenabkühlung berechnet und vorausgesagt (eine höhere Sonnenaktivität scheidet somit als Grund aus)


Der Block wird aufrecht stehend von dem zylindrischen Greifarm abgestellt und von den Technikerschweinchen umgekippt, so dass er hart, schwer und metallisch auf den Boden kracht mit entsprechendem Lärm. Das ist so dramatisch wie unnötig, da der Block ja laut- und schwerelos sanft schweben kann, wie es kurze Zeit später beim Transport in das Raumschiff des Kopfgeldjägers zu sehen ist. Wenn ich jetzt jedoch die Szene vergleiche mit der Schlüsselszene aus 2001, in der die Affen den Monolithen berühren, wird deutlich, dass hier eine 1:1 Kopie angefertigt und in den Film eingeschmuggelt wurde inklusive der außergewöhnlichen Form des Karbonitblocks. Die Position des Blocks/ Monolithen, die Perspektive, die Komposition, der Felsvorsprung rechts, der von Vader dargestellt wird und die kleinen Wesen (Affen/ Schweinchentechniker): alles ist identisch.
Der Monolith schwebt in 2001 später lautlos durchs All genau wie der Karbonitblock zum Slave 1 Raumschiff schwebt. Die Musik am Ende des Star Wars Films geht mit dem Einsatz der Pauken und dem Crescendo/ Tusch nahtlos in das Hauptthema von 2001 (Also Sprach Zarathustra von Strauss) über. (Selbst der THX-Sound klingt absichtlich, obwohl er angeblich von Styx den Titel "Krakatoa/Hallelujah Chorus" gesampelt wurde, sehr ähnlich wie Richard Strauss' "Also sprach Zarathustra"). Diese Szenen ist also die größte, sichtbare und längste Verneigung vor 2001, die mit ein wenig Aufmerksamkeit erkannt werden kann. Die zweitgrößte. Die größte wird ja noch folgen hier. Sie ist aber weniger offensichtlich, da sie bisher geheimgehalten wurde.

Nachdem die Verbindung von Star Wars zu 2001 so deutlich herausgearbeitet wurde, folgt jetzt also der finale Schritt auf dem Weg der Auflösung.


Diese Tür ist der Schlüssel zur Lösung. Die „Lars Homestead“ Küche (mit darin enthaltener Tupperware) zeigt die Handschrift eines Gestalters, der –Überraschung- auch in 2001 wirkte: (Außenseite der Discovery. Der Notschleuseneingang). Es ist das Werk von Hans-Kurt „Harry“ Lange.


Herr Lange hat für die NASA gearbeitet als Illustrator und Designer (von Raumschiffen) und für Wernher von Braun.

Lange verfügte also über erstklassige, grundlegende Einblicke in die Weltraumfahrt, deren systemischen Aufbau, innere Logik, Physik und Gestaltungsparameter.



Unten: ein NASA-Logo-Buch, Wernher von Braun mit seinem Konzept einer (atomwaffenbestückten) Raumstation, SS-Sturmbannführer Wernher von Braun mit Hitler, Wernher von Brauns Raumschiff, Hans-Kurt Langes früher Entwurf der Discovery. Wernher von Braun war übrigens das Vorbild für die Rolle von Dr. Hans Reinhardt in Disneys überaus dystopischen Film "Das Schwarze Loch". Diese Rolle hat der deutsche Schauspieler Maximilian Schell dargestellt, dessen blutroter Killerroboter im Film selbst Maximilian genannt wurde. Mit diesem technischem Monster wird von Braun, ähm... Dr. Reinhardt schließlich vereinigt und für immer in der Flammenhölle gefangengehalten. Zudem hat Dr. Reinhardt sein mitreisendes Personal einfach in Roboter verwandelt, die aber nach wie vor ihre menschlichen Ursprünge in tragischen Momenten offenbaren. Diese Roboter, die einst Menschen waren, wurden von Dr. Reinhardt gezwungen, ihm seinen technischen Weltallfiebertraum zu ermöglichen. Der Tod dieser Menschen interessiert Dr. Reinhardt nicht, er legitimiert sogar sein Handeln damit, dass ohne sein Tun diese Menschen "längst tot wären". Dazu passt, dass der Ursprung des Worts 'Roboter' im tschechischen Wort 'robota' liegt und soviel heißt wie Frondienst oder eben Zwangsarbeiter...

Zur Einordnung der Rolle Wernher von Brauns:

Deutschlandfunk, Kalenderblatt: 14. April 1955

Vor 70 Jahren wurde der Physiker und Raketenbauer Wernher von Braun, US-amerikanischer Staatsbürger



ein Beitrag von Dirk Lorenzen.

“Dies ist der glücklichste und bedeutendste Tag in meinem Leben. Ich muss sagen, wir wurden alle schon vor langer Zeit im Herzen amerikanische Bürger.”
So äußert sich Wernher Magnus Maximilian Freiherr von Braun am 14. April 1955 gegenüber Journalisten, nachdem er in der Highschool von Huntsville zum Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika geworden war.
“Inzwischen sehe ich noch deutlicher, dass wir an jenem Tag in Peenemünde eine moralische Entscheidung gefällt haben. Irgendwie spürten wir, dass das Geheimnis des Raketenwesens nur in die Hände eines Volkes gelangen sollte, das die Bibel liest.”
Dass von Braun in einem Satz Peenemünde und Moral erwähnt, mag erstaunen. Denn während der NS-Diktatur leitet er, Mitglied der NSDAP und SS, an jenem Ort auf der Insel Usedom ein Team, das dort und in den Stollen des Mittelwerks am Herz die Raketenwaffe V2 baut. Es kommen rund 60.000 Zwangsarbeiter vor allem aus dem Konzentrationslager Mittelbau-Dora zum Einsatz, ein Drittel davon (ca. 20.000 Menschen) wird ermordet. Welche Rolle Wernher von Braun dabei spielt, ist bei der Einbürgerung in den USA kein Thema.
Er präsentiert sich stets als unpolitischen Akteur, der am Raketenbau interessiert war und für das brutale Unterdrückungssystem nichts konnte. So erklärt es Rainer Eisfeld, Professor im Ruhestand für Politikwissenschaft der Universität Osnabrück und Autor der Braun-Biografie »Mondsüchtig«.
“Er hat überhaupt nicht erwähnt, dass er außer der Tätigkeit als Entwicklungschef in Peenemünde noch eine zweite Funktion hatte. In dem Koordinationsausschuss, den Albert Speer als Rüstungsminister eingesetzt hatte, um die notwendigen Rohstoffe, Materialien und Arbeitskräfte für die Serienfertigung der V2 zu beschaffen, leitete er den ‘Arbeitsausschuss Endabnahme’ und in dieser Funktion war er auch zuständig für Fragen des Häftlingseinsatzes.” Von Braun fordert, wie zahlreiche Briefe belegen, viele Male Häftlinge an und sucht einmal sogar persönlich im KZ-Buchenwald Häftlinge für die Raketenproduktion aus. Das US-Militär, das von Braun und viele Mitarbeiter 1945 in die USA geholt hat, verschleiert die wahren Hintergründe seiner Einreise. Zu wichtig sind die aus Deutschland stammenden Raketenfachleute im kalten Krieg für den Bau von Waffen.
Nachdem von Braun zunächst wieder an Militärraketen arbeitet, leitet er bei der NASA erstmals ein ziviles Projekt: das Apollo-Mondprogramm.
Danach gerät er fast in Vergessenheit und stirbt 1977.
Bald darauf jedoch beginnt das US-Justizministerium nach NS-Verbrechern zu suchen, die sich durch falsche Angaben ihre Einbürgerung in die USA erschlichen haben. Dabei gerät Arthur Rudolf in den Fokus der Ermittlungen: ein enger Mitarbeiter von Brauns.
“1982 ist er vernommen worden, ob er als Betriebsdirektor des unterirdischen Mittelwerks weitere KZ-Häftlinge anfordern konnte. ‘Ja’, hat er zum ersten Mal zugegeben, dann ist ihm eröffnet worden, gegen ihn ein Verfahren zur Ausbürgerung einzuleiten.” Arthur Rudolf kommt dem durch den Umzug nach Hamburg zuvor. Er versucht, das Einreiseverbot in die USA über den Umweg Kanada zu umgehen, wird aber gestellt und klagt dagegen.
“Und dann hat ein Bundesgericht die Zurückweisung bestätigt, mit der Feststellung er sei nach seinen eigenen Angaben in Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verwickelt gewesen. Und ich denke, dieses Gerichtsurteil, das im Falle Arthur Rudolfs existiert, liefert auch einen Maßstab, um Wernher von Braun zu beurteilen, der, wie gesagt, sukzessive von der Empfehlung vorhandene Häftlinge weiter einzusetzen, über die Berechnung von Häftlingszahlen bis zur persönlichen Auswahl von Häftlingen, ebenfalls in dieses Sklavenarbeitsprogramm verwickelt worden ist. Die bis heute gern gepflegte Legende des unbekümmerten Weltraumfans, der nur aufgrund widriger Zeitläufe ins NS-Regime verstrickt wird, ist längst widerlegt.
Leider hat sich Wernher von Braun selbst nie öffentlich zu seiner Haltung, zur NS-Diktatur und zu seinem Mitwirken am Zwangsarbeitersystem geäußert.



Deutschlandfunk, Kalenderblatt: 20. Juni 1944.

Vor 80 Jahren erreichte die deutsche V2-Rakete eine Rekordhöhe und den Weltraum.



ein Beitrag von Dirk Lorenzen.

Die Rakete steigt vom Startplatz auf der Greifswalder Oie, einer kleinen Insel vor Peenemünde, in den strahlend blauen Sommerhimmel. Sie erreicht rund 170 Kilometer Höhe, stürzt Minuten später zurück zur Erde und versinkt in der Ostsee. Nie zuvor war eine Rakete so weit in den Weltraum vorgedrungen wie jene am 20. Juni 1944. Dieser Flug ist der Höhepunkt der Raketenentwicklung im nationalsozialistischen Deutschland. Technischer Leiter der Heeresversuchsanstalt Peenemünde ist der Physiker Wernher von Braun. Der sagt nach dem Krieg, er habe eigentlich nur vom Mondflug geträumt und sei ungewollt in die Fänge eines Rüstungsprojekts geraten.
“Das große Problem hier liegt darin, dass gewöhnlich die friedliche, der Zivilisation dienende Anwendung einer neuen Entwicklung, ob das nun Atomenergie oder Raketentechnik oder Fliegerei ist, -spielt gar keine Rolle- , so eng durchflochten ist mit ihrer möglichen militärischen Anwendung, dass es kaum möglich ist zu sagen: ‘Das eine darf man machen und das andere darf man nicht machen.’ weil derjenige, der an der eigentlichen Arbeit da ist, kaum die Linie ziehen kann.”
Die Historikerin Luisa Hulsrøy, die als Wissenschaftlerin in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora gearbeitet hat, schüttelt über diese Aussage nur den Kopf: “Er versuchte sich ja, nach dem Krieg als irgendwie politisch neutraler Wissenschaftler darzustellen. Das ist aber, gelinde gesagt, Blödsinn.”
Denn bei der Produktion der V2-Rakete, offiziell Aggregat 4 genannt, ziehen von Braun und sein Team gar keine Linien.
Zunächst werden 800 KZ-Häftlinge in Peenemünde interniert. Aufgrund der Bombenangriffe der Alliierten verlegt man die Produktion in einen Berg nordwestlich von Nordhausen. Auch dort müssen vor allem Zwangsarbeiter schuften.
Wernher von Braun war insgesamt über 20 Mal in Mittelbau-Dora und wir wissen auch, dass mindestens einer dieser Besuche im letzten Viertel des Jahres 1943 stattfand, als es eben dieses oberirdische Lager, wo wir jetzt stehen, noch gar nicht gab und die Häftlinge im Stollen untergebracht waren. Gerade bei diesem ersten Besuch kann es gar nicht sein, dass er nicht mitbekommen hat, was das für furchtbare Umstände waren, unter welchen die Häftlinge lebten.”
In den kilometerlangen Stollen ist es kalt, feucht, laut, staubig. “Die Häftlinge müssen ihre Sklavenarbeit unter unvorstellbaren Bedingungen verrichten”, erklärt Rainer Eisfeld. Der Professor für Politikwissenschaft an der Universität Osnabrück ist Autor der Wernher von Braun Biografie »Mondsüchtig«. “Ungefähr 60.000 Häftlinge haben das Konzentrationslager Mittelbau-Dora durchlaufen, von ihnen sind etwa 15.000 bis 20.000 den Produktionsbedingungen zum Opfer gefallen. Die Zahl alleine der Häftlinge und das Alter, in dem sie umgekommen sind, ein sehr großer Teil war noch nicht einmal 30 Jahre alt, ein weiterer großer Teil noch nicht einmal 40, das spricht für sich.”
Die Häftlinge sterben an Tuberkulose, Lungenentzündung und Auszehrung. Sie werden von den Wachleuten erschlagen, gehängt und erschossen. Dass die V2-Raketen, -das V steht für Vergeltungswaffe- , von Häftlingen hergestellt werden, ist Wernher von Braun und seinem Team genau bekannt. Zahlreiche Briefe belegen, dass er immer wieder Häftlinge angefordert und einmal bei einem Besuch im KZ Buchenwald sogar selbst ausgesucht hat.
“Dieser Prozess, der ihn selber zur Mitwirkung an Verbrechen gegen die Menschlichkeit bringt, der lässt sich anhand der Dokumente sehr gut nachvollziehen. Von Braun selbst und zahlreiche andere Ingenieure und Publizisten in ihrem Gefolge haben sich große Mühe gegeben, Peenemünde lange als eine heile Welt der Wissenschaft zu schildern, getrennt von dem Sklavenstaat, den die SS, so die Terminologie, in Mittelbau-Dora und dem unterirdischen Mittelwerk errichtet hatte. Man wollte nur für die Entwicklung zuständig gewesen sein und nicht für die Produktion. Dieses Bild war drastisch geschönt.”
Bis heute gibt es eine gewisse Peenemünde-Romantik von den vermeintlich unpolitischen Anfängen der Raumfahrt. Doch bei den Raketenstarts dort ging es allein um die Erprobung schneller und weitreichender Waffen. Mit Raumfahrt hatte die V2 nichts zu tun.



Deutschlandfunk, Sternzeit: 11. August 1944, Wernher von Brauns Besuch im KZ Buchenwald.



Wernher von Braun, der Leiter des Apollo-Mond-Projekts der NASA, organisierte im nationalsozialistischen Deutschland die Entwicklung der V2-Raketenwaffe. Dabei war er auch für den Einsatz von KZ-Häftlingen verantwortlich.

Bis heute kursiert die Legende, von Braun und sein Team seien nur am Mondflug interessiert gewesen und unfreiwillig in die Fänge des Militärs geraten. Von den Häftlingen habe man nichts gewusst.
Tatsächlich kamen schon in Peenemünde 800 Zwangsarbeiter zum Einsatz. In der Produktionsanlage bei Nordhausen mussten zigtausende Häftlinge des KZ Mittelbau-Dora schuften. Wernher von Braun, der über 20 Mal vor Ort war, hat oft Häftlinge angefordert.
Vor 80 Jahren reiste er dafür sogar ins Konzentrationslager Buchenwald. Im August 1944 schreibt er an Albin Sawatzki, den Direktor der V2-Fabrik: “Ich bin auf Ihren Vorschlag sofort eingegangen, habe mir in Buchenwald einige geeignete Häftlinge ausgesucht und ihre Versetzung erwirkt. Mit herzlichem Gruß und Heil Hitler, Ihr Ergebener Wernher von Braun.”
Von 60.000 Häftlingen sind rund 20.000 den Produktionsbedingungen zum Opfer gefallen. Sie starben an Tuberkulose, Lungenentzündung und völliger Auszehrung oder wurden von den Wachleuten erschlagen, gehängt oder erschossen. Wie Dokumente belegen, wussten Wernher von Braun und sein Team davon. Auch wenn es später meist geleugnet wurde.


Peneemünde und die V2 haben wenig mit Raumfahrt zu tun, dafür sehr viel mit Krieg und Barbarei.











 
 

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